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Kautschukwerke und Raketentreibstoff

Warum die Ukraine russische Kautschukwerke angreift und was Iskander-Raketen damit zu tun haben

VeröffentlichtDmytro Kogan

Innerhalb von drei Tagen, vom 24. bis zum 26. Oktober 2026, wurden die russischen Chemiewerke Toljattikautschuk, Omski Kautschuk und Woroneschsinteskautschuk von ukrainischen Angriffen getroffen. Sie gehören zu einer Chemieindustrie, deren Erzeugnisse für die russische Waffenproduktion benötigt werden. Ein wichtiger Einsatzbereich sind feste Raketentreibstoffe.

Bei einem Werk für synthetischen Kautschuk denkt man meist an Reifen und Gummiwaren. Doch ein Teil der Erzeugnisse dieser Branche wird auch für den Raketenbau gebraucht. Ein Brand in einem Chemiewerk kann deshalb weit über das Werksgelände hinaus Folgen haben, etwa für die Hersteller jener Raketen, mit denen Russland die Ukraine angreift.

Der ukrainische Generalstab stellte einen direkten Zusammenhang zwischen dem Angriff auf Toljattikautschuk und der Rohstoffversorgung des russischen Raketenprogramms her. Auch Fire Point, der Hersteller der Langstreckendrohne FP-1, erklärte die Angriffsserie auf Kautschukwerke mit deren Bedeutung für die Produktion von Raketentreibstoff.

Was Kautschuk mit Raketentreibstoff zu tun hat

Synthetische Kautschuke bilden eine große Werkstoffgruppe mit unterschiedlichen Eigenschaften. Je nach Zusammensetzung werden sie für Reifen, Dichtungen, Schutzbeschichtungen oder spezielle Industrieprodukte verwendet.

In festen Raketentreibstoffen dienen bestimmte Polymere als Bindemittel. Sie halten die Bestandteile zu einer festen, elastischen Treibstoffladung zusammen. Manche dieser Werkstoffe tragen zugleich zur Verbrennung bei.

Die Qualität des Bindemittels beeinflusst die Zuverlässigkeit des Triebwerks. Die Ladung muss Lagerung, Transport und die Belastungen während des Fluges überstehen. Die Anforderungen an das Material sind deshalb deutlich höher, als das alltägliche Wort „Gummi“ vermuten lässt. Technische Veröffentlichungen der NASA beschreiben ausführlich, welche Rolle Polymere für die Festigkeit und Zuverlässigkeit fester Raketentreibstoffe spielen.

Dabei zählt auch die industrielle Fertigung. Ein Raketenwerk braucht regelmäßig verfügbare Rohstoffe mit gleichbleibenden Eigenschaften, die es in seiner Produktion einsetzen kann.

Der Zusammenhang mit der Iskander-M

Die ballistische Rakete 9M723 des Systems Iskander-M hat ein Feststofftriebwerk. Das dokumentiert unter anderem der ukrainische Militärgeheimdienst HUR in seiner Datenbank russischer Waffenkomponenten.

Die Herstellung einer solchen Rakete hängt von zahlreichen Unternehmen ab. Einige liefern Elektronik, andere Metallteile, Spezialwerkstoffe oder Treibstoffkomponenten. Schwierigkeiten bei einem Zulieferer können den nächsten Hersteller ausbremsen.

Darin liegt die militärische Bedeutung der Angriffe auf die Chemieindustrie. Sie können die Waffenproduktion erschweren, bevor eine fertige Rakete ein Depot oder eine Startvorrichtung erreicht.

Welche russischen Kautschukwerke angegriffen wurden

In der Nacht zum 24. Oktober: Toljattikautschuk, Region Samara. Der ukrainische Generalstab bestätigte einen Treffer auf dem Werksgelände sowie eine Explosion und einen Brand. Das Unternehmen stellt synthetische Kautschuke, Monomere und Benzinzusätze her. Die ukrainische Militärführung verwies ausdrücklich auf die Bedeutung seiner Erzeugnisse für die Herstellung fester Raketentreibstoffe.

24. Oktober: Omski Kautschuk, Region Omsk. Fire Point bestätigte einen Angriff auf das Werk mit FP-1-Drohnen. Nach Angaben des Unternehmens legten die Drohnen mehr als 2.500 Kilometer von der ukrainischen Grenze zurück.

26. Oktober: Woroneschsinteskautschuk, Woronesch. Fire Point bestätigte den Angriff und erklärte, dass die Produkte des Werks für feste Raketentreibstoffe verwendet werden. Die Angriffe auf die drei Unternehmen fanden an unterschiedlichen Tagen statt: Omsk und Toljatti wurden am 24. Oktober angegriffen, Woronesch am 26. Oktober.

Die Chronologie hat Demilitarizator im Bericht vom 24. Oktober und im Bericht vom 26. Oktober dokumentiert.

Die Angriffe auf Kautschukwerke treffen eine Industrie, die Russlands Armee mit benötigten Materialien versorgt. Für die Ukraine liegt ihr Nutzen darin, die Herstellung jener Waffen zu erschweren, mit denen Russland den Krieg fortsetzt.

Quellen