Wie viele Raffinerien hat Russland – und welche hat die Ukraine getroffen? Liste und Folgen der Angriffe
Russland verfügt über 32 große Ölraffinerien. Die meisten wurden bereits von ukrainischen Angriffen getroffen: Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur waren Ende August 2026 nur noch fünf von dokumentierten ukrainischen Drohnenangriffen verschont geblieben.
Demilitarizator hat Raffinerien mit bestätigten Treffern, die Daten einzelner Angriffe und öffentlich gemeldete Entfernungen zusammengestellt.
Wie viele Ölraffinerien gibt es in Russland?
Die Zahl von 32 großen Raffinerien umfasst nicht sämtliche erdölverarbeitenden Betriebe des Landes. Neben den Industriegiganten gibt es in Russland kleinere Anlagen und Miniraffinerien. Auch einige dieser Betriebe wurden von der Ukraine getroffen.
Unsere Tabelle enthält deshalb Unternehmen unterschiedlicher Größe: von der Raffinerie Omsk bis zu deutlich kleineren Betrieben wie Albaschneft.
Welche russischen Raffinerien hat die Ukraine getroffen? Tabelle der Angriffe
| Raffinerie | Datum des bestätigten Angriffs | Gemeldete Entfernung |
|---|---|---|
| Raffinerie Nowoschachtinsk | 31.05.2026 | ≈15 km |
| Albaschneft | 05.02.2025 | ≈250 km |
| Raffinerie Kaluga — Erster Betrieb | 10.05.2024 | ≈300 km |
| Raffinerie Krasnodar | 30.08.2025 | ≈300 km |
| Raffinerie Afipski | 25.08.2026 | ≈300–400 km |
| Raffinerie Ilski | 26.09.2026 | ≈300–400 km |
| Raffinerie Slawjansk — Slawjansk EKO | 13.09.2026 | ≈300–400 km |
| Raffinerie Tuapse | 28.04.2026 | ≈430 km |
| Raffinerie Wolgograd | 31.07.2026 | ≈480 km |
| Raffinerie Moskau | 16.06.2026 | ≈500 km |
| Raffinerie Rjasan | 15.05.2026 | Über 500 km |
| Raffinerie Saratow | 31.05.2026 | ≈630 km |
| Raffinerie Jaroslawl — Slawneft-JANOS | 17.09.2026 | Über 700 km |
| Raffinerie Kirischi — KINEF | 14.09.2025 | Über 800 km |
| Raffinerie Nischni Nowgorod — NORSI | 29.01.2025 | ≈830 km |
| Raffinerie Sysran | 15.09.2026 | ≈850 km |
| Raffinerie Nowokuibyschewsk | 22.08.2026 | ≈900 km |
| Miniraffinerie Nowospasskoje — NS-Oil | 24.07.2026 | ≈900 km |
| Raffinerie Kuibyschew | 22.09.2026 | ≈910 km |
| Mari-Raffinerie | 29.10.2025 | ≈1.000 km |
| TAIF-NK | 12.06.2026 | ≈1.200 km |
| TANECO | 13.09.2026 | Über 1.200 km |
| Baschneft-UNPZ | 21.09.2026 | ≈1.300 km |
| Gazprom Neftechim Salawat | 08.10.2026 | ≈1.400 km |
| Baschneft-Ufaneftechim | 22–23.03.2026 | ≈1.400 km |
| Baschneft-Nowoil | 01–02.04.2026 | ≈1.400 km |
| Orsknefteorgsintes | 29–30.04.2026 | ≈1.500 km |
| Permnefteorgsintes | 21.08.2026 | Über 1.500 km |
| Raffinerie Uchta | 12.02.2026 | ≈1.750 km |
| Raffinerie Antipinski | 20.06.2026 | Über 2.000 km |
| Raffinerie Omsk | 06.07.2026 | Knapp 2.500 km |
| Angarsker Petrochemieunternehmen — ANHK | Nicht getroffen | ≈3.500–6.500 km |
| Raffinerie Atschinsk | Nicht getroffen | |
| Raffinerie Chabarowsk | Nicht getroffen | |
| Raffinerie Komsomolsk | Nicht getroffen | |
| Raffinerie Jaja | Nicht getroffen |
Vom europäischen Teil Russlands bis nach Sibirien
Bestätigte Angriffe beschränken sich längst nicht mehr auf Russlands Grenzregionen.
Besonders deutlich zeigte dies der Angriff auf die Raffinerie Omsk am 6. Juli 2026. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs liegt das Werk fast 2.500 km entfernt. Die ukrainische Militärführung bezeichnete es als den letzten der elf größten Benzinproduzenten Russlands, der bis dahin noch nicht von ukrainischen Streitkräften getroffen worden war.
Für die russische Industrie veränderte sich damit die Geografie des Krieges. Auch Betriebe, die Hunderte oder Tausende Kilometer von der Front entfernt liegen, wurden von ukrainischen Angriffen erfasst.
Was passiert mit einer Raffinerie nach einem Angriff?
Nach Einschätzung der IEA kann die Wiederherstellung komplexerer beschädigter Verarbeitungsanlagen sechs bis acht Monate dauern. Sanktionen erschweren zusätzlich den Zugang zu einem Teil der benötigten Ausrüstung.
Ein Beispiel ist die Raffinerie Sysran. Am 16. September 2026 berichtete Reuters, dass der Betrieb nach einem Angriff die Ölverarbeitung eingestellt habe. Die Hauptanlage, auf die rund 71 Prozent der Raffineriekapazität entfielen, war schwer beschädigt worden.
Für Russland entstehen dadurch mehrere Kosten gleichzeitig: beschädigte Ausrüstung, Reparaturarbeiten und Produkte, die das Werk während des Stillstands weder herstellen noch verkaufen konnte.
Wie Raffinerieangriffe Russlands Benzin- und Dieselversorgung treffen
Die Probleme einzelner Werke summieren sich. Wenn mehrere große Betriebe gleichzeitig ausfallen oder ihre Produktion drosseln, steigt die Belastung für die übrige Branche.
Laut IEA lag Russlands Raffineriedurchsatz im Juni 2026 rund 30 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Agentur beschrieb außerdem Exportbeschränkungen für Kraftstoffe und Benzinimporte, mit denen Russland die Versorgung im Inland aufrechterhielt.
Für einen großen Erdölproduzenten ist das ein bemerkenswertes Ergebnis: Rohöl ist reichlich vorhanden, doch die verlässliche Versorgung mit fertigen Kraftstoffen wird zum Problem.
Die Folgen spüren Speditionen, Landwirte, Unternehmen und Autofahrer. Betriebe müssen Verträge erfüllen, die Ernte einbringen und Waren transportieren – unabhängig davon, wie viele Anlagen in der nächsten Raffinerie gerade repariert werden.
Je länger Russland seine Invasion fortsetzt, desto mehr muss es dafür bezahlen, sie weiterführen zu können. Ein wachsender Teil dieser Rechnung kommt aus den eigenen Raffinerien.